Interview

„Ich setze mich ins Auto und kaufe meinem Kunden einen schwarzen Schlips“

Haben Sie eine eigene Philosophie im Umgang mit den Trauernden?

Den Menschen in Ihrer schwierigen Situation zu helfen, steht selbstverständlich an vorderster Stelle. Es ergeben sich naturgemäß sehr viele Fragen. Dabei lasse ich mir viel Zeit, um sie präzise zu beantworten. Denn zwischen dem Zeitpunkt des Verlustes eines geliebten Menschen und der Beerdigung ist bei den Hinterbliebenen absoluter Stress angesagt und es türmen sich viele Probleme auf.

Welche Problemstellungen ergeben sich?

Terminwünsche sind immer ein Problem. Entweder ist der Friedhof schon belegt, oder der Pfarrer hat keine Zeit oder die Enkel sind im Urlaub. Doch mit Ruhe und Bedacht halte ich immer eine Lösung parat, oder zumindest die bestmögliche.

Geben Sie auch Lebenshilfe?

Natürlich, ganz klar. Das gehört einfach zu meinem Beruf dazu. Die Lebenshilfe muss nicht immer nur seelischer Natur sein, sie kann beispielsweise auch ganz praktisch ausfallen. Dann setze ich mich in mein Auto, fahre in die Stadt und besorge meinem Kunden einen schwarzen Schlips. Auch vermeintlich kleine Dinge werden dann ganz groß.

Gibt es wiederkehrende Fragen der Hinterbliebenen?

Jede Menge. Wie lange darf ich jemanden zu Hause aufbahren? Gibt es Sterbegeld von der Krankenkasse? Aber auch Fragen, welcher Pfarrer eigentlich zuständig ist, werden immer wieder gerne gefragt.

Bleibt den Angehörigen genügend Zeit zur Verabschiedung?

Ja, auf jeden Fall, so wie sie es sich wünschen. Ich lasse ihnen die Zeit, die sie brauchen, um sich würdig zu verabschieden. Für diese Fälle habe ich eigens neue Räume in meinem Betrieb bauen lassen.

Was meinen Sie, sind die Gesetze rund um die Bestattung zu streng beziehungsweise zu eingeschränkt?

Das Bestattungsgesetz stammt in seinen Grundzügen aus dem Jahr 1934. Dabei wurde es bis jetzt ständig verbessert. Ich bin der Meinung, dass es für unsere Zeit genau passend ist und genügend Freiraum für jeden bereithält.

Richten Sie auch Trauerfeiern für Menschen aus anderen Kultur- und Religionskreisen aus?

Ja, sehr gerne. So lerne ich mehr und mehr dazu. Gepflogenheiten und Riten machen meine Arbeit interessanter und es erweitert auch meinen Horizont. So konnte ich unter anderem eine buddhistische Zeremonie organisieren und musste die dazugehörigen Gegenstände wie Räucherstäbchen besorgen. Mittlerweile kenne ich mich sehr gut mit Beerdigungsritualen aus anderen Kulturen aus. Man kann viel voneinander lernen.

Muss Trauerkleidung schwarz-weiß sein?

Wenn Sie meine persönliche Meinung wollen: Ja! Doch stelle ich vermehrt fest, dass die Trauerkleidung oft auch Grautöne und andere gedeckte Farben hat. Bei Kindern reicht dies auch völlig aus. Es gibt selbstverständlich auch Beerdigungen, bei denen ausdrücklich normale oder sogar bunte Kleidungstücke erwünscht sind. Aber: Ob Sie es glauben oder nicht, das verunsichert die Trauernden. Einige haben trotz des letzten Willens des Toten hohen Respekt vor der Zeremonie der Beisetzung und erscheinen doch in dunklen Farben.

Gab es eine Beerdigung, die Ihnen besonders, beispielsweise durch eine schöne Geste oder ähnlichem, in Erinnerung geblieben ist?

Eine Beerdigung in Schalke-Farben. Blau und weiß. Der Sarg wurde extra lackiert. Um die richtigen Farben dafür zu bekommen, habe ich extra beim Verein in Gelsenkirchen angerufen. Zur Beisetzung gab es die Schalke-Hymne und der Sarg wurde zusätzlich mit dem passenden Fan-Schal verziert. Selbst der Blumenschmuck wurde in den entsprechenden Farben gehalten.

Wie möchten Sie eigentlich beerdigt werden?

Eine Erdbestattung mit allem Drum und Dran sollte es schon sein, vor allem ein Zusammentreffen nach der Beisetzung ist mir für meine Familie und Freunde sehr wichtig.